Bindow. Schulchronik und Ortschronik.

von 1809 bis 1964


Die Geschichte Bindows lag bisher weitgehend im Dunkel. Zwar soll es in früherer Zeit eine Orts-Chronik gegeben haben, doch die gilt seit Jahrzehnten als verschollen. Bruchstückhafte Aufzeichnungen sind bisher lediglich über das Entstehen der Siedlung um 1928 bekannt.

Rechtzeitig bevor Bindow Ortsteil einer Großgemeinde Heidesee wurde, haben zwei engagierte Bindower Licht ins Dunkel der Ortsgeschichte gebracht. Dabei half ihnen die Entdeckung einer Schulchronik, die von 1809 bis 1964, das letzte selbständige Jahr der Bindower Dorfschule, reicht.

In ihren Aufzeichnungen haben die Lehrer dieser Schule etwa ab Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur über die Geschichte und das Leben der Schule berichtet. Sie haben zugleich ihre eigenen Forschungen über das Entstehen und Werden des Ortes seit der Gründung einer Wenden-Siedlung an der Dahme aufgeschrieben.

Von besonderem Interesse sind daneben die zeitgeschichtlichen Schilderungen, wie die Bindower den ersten Weltkrieg und die Zeit danach erlebten und wie der zweite Weltkrieg und die Folgezeit das Leben im Ort prägte.

Das Verdienst der Entdecker dieser Aufzeichnungen besteht darin, dass sie mit Hilfe Älterer die zum großen Teil in altdeutscher Sprache und Schrift verfassten Texte „übersetzt“, sie redaktionell aufbereitet und für die heutigen Leser zugänglich gemacht haben.

 

Auszüge aus der Bindower Schulchronik

1928. Es mag vielleicht für spätere Zeiten von Wert sein, einiges über den sittlichen Zustand der jetzigen Jugend zu erfahren. Zum besseren Verständnis des folgenden mag noch gesagt sein, daß Bindow augenblicklich 250 Einwohner zählt, die Väter zum Teil im Garten arbeiten, die Kinder aber mit der Großstadtjugend so gut wie gar nicht in engere Berührung kamen. Bei zwei fünfjährigen Kindern (Kinder, die jetzt, 1. April 1928, eingeschult wurden) ist von zwei Frauen zu gleicher Zeit beobachtet worden, wie diese Kinder den Begattungsakt auf der Dorfaue markierten, wobei das Mädchen der verführende Teil war. Der Gesichtsausdruck des Mädchens zeigte dabei eine gar unanständliche Wolllust. Der Junge ist das einzige Kind und lebt nur mit seinen Eltern und der Großmutter im Hause. Der Vater ist wieder Beamter. Das Mädchen ist die älteste Tochter eines hiesigen Kossäten (…) Es scheint fast – und in einem Eisenbahnwagon sprach diesen Gedanken ein Vater einem andern gegenüber aus – als ob die eine Blüte kindlicher Unschuld schon mit vier Jahren vernichtet ist.

1928. Die schulentlassene Jugend betrachtet den Besuch von öffentlichen Tanzvergnügen als eine Selbstverständlichkeit trotz entgegen stehender Religionsvorschriften. Zum so genannten Vereins-Vergnügen werden sogar Schulkinder, die noch nicht die Schule besuchen, mitgebracht und die ganze Nach dort behalten. Der Tag der Einsegnung wird nicht mehr ernst und feierlich begangen, sondern ist für die meisten Konfirmanten der Tag, an dem man seinen Kinderreichtum zeigen und sich tüchtig betrinken kann.

1930. In diesem Jahr verschwand endlich der Abort, der vor der Südseite der Scheune stand und wurde den Anforderungen der heutigen Zeit entsprechend an die Nordseite der Scheune neu errichtet. Die alte Grube des abgerissenen Aborts beabsichtigte sich der Stelleninhaber zu einem Mistbeet herzurichten. Ein Behälter für die Abwässer wurde in genau westlicher Richtung von der Pumpe im Garten gemauert und durch Rohre mit einem Tropfloch, welches sich unter dem Pumpen-Aausflussrohr befindet, verbunden. Nun endlich hat der Hof ein sauberes Aussehen gewonnen, nachdem das alte Loch für Abwässer nebst der offenen, stets zugeschmutzten Rinne, die sich beide auf dem Hof befanden und die Aborte verschwunden sind.


Gutshaus Bindow
Gutshaus Bindow

 

Strandcasino, Bindow, am Ziest-See
Strandcasino Ziest-See
Bindow um 1930

 

Schulanfang in Bindow 1932
Schulanfänger 1932

 

Dahme-Brücke in Bindow
Dahme-Brücke um 1940

 

Nach Bindow-Sued (um 1940)
Weg nach Bindow-Süd
um 1930 / 1940

 

Bindow, Gasthaus Tante Anna
Gasthaus "Tante Anna"

 

Bus-Wendeschleife Bindow-Süd (um 1970)
Bus-Wendeschleife
Bindow-Süd (um 1970)

 

Konsum in Bindow
Ecke Fasanenallee
1980-er Jahre



Nicht alle hier gezeigten Fotos sind auch Bestandteil der Chronik Bindow.

Ja, ich interessiere mich für die Bindower Gemeindechronik (49 Seiten, 10 S/W Abb.)


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