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DANNENREICH DER NARREN

Ein Dorf mit 130 Einwohnern feiert den größten Festzelt-Karneval

16. Februar 2003 Ein paar Dutzend Häuser, eine Kneipe, kein Laden und auch keine Kirche. Dennoch: Die etwa 130 Einwohner von Dannenreich sind ein ausgeschlafenes Völkchen und holten Deutschlands größten Zelt-Karneval in ihr Dorf nahe dem Autobahndreieck Spreeau im Süden Berlins. Eine Erfolgsstory, die so närrisch ist wie die fünfte Jahreszeit selbst.


Am Anfang stand eine Strafe. „Ohne Genehmigung hatte ich auf einem Datschen-Grundstück in Dannenreich einen Schuppen gebaut“, erinnert sich Wolfgang Hildmann. Wegen der Ordnungswidrigkeit „auffällig“ geworden, verdonnerten die Behörden den damals 30-jährigen Fernmeldetechnik-Ingenieur zu einer „gesellschaftlichen“ Strafe: zehn Rentner-Discos.

Nichts fiel Hildmann leichter. Als Hobby-DJ legte er zu jener Zeit schon in renommierten Häusern in Ost-Berlins Platten auf: Im Café „Moskau“, im Haus „Bukarest“, in der noblen „Sky-Bar“ vom Palasthotel.

Beim fröhlichen Schunkeln in der Dannenreicher Dorfkneipe „Friedens-Eiche“ erinnerten sich die Alten dann an früher, erzählten von durchzechten Nächten, nach denen mancher am Morgen auf dem Misthaufen aufgewacht war. Die Idee vom Dorf-Karneval war geboren.

Und bis zur Wende war die „Eiche“ rammelvoll. Doch dann: Am 11. November 1989, zwei Tage nach dem Mauerfall in Berlin, kamen nur drei Leute. „Trotz 189 verkaufter Karten. „ Auf ewigen Gäste-Schwund eingestellt, „zog der Wirt dann quer durch den Saal eine Mauer“, sagt Hildmann. Doch schon zwei Jahre darauf klopfte die Narrenschar wieder an.

„Also bauten wir ein Zelt auf. Erst für 400 Leute, später für mehrere tausend. „ Denn längst sind der Dannenreicher Karneval und die „Oldie-Nacht“ davor zum Kult geworden. Schon mit den Eintrittskarten, diesmal in Form eines Ausweises der Steuerfahndung, beginnt der Ulk. Die täuschend echte Nachbildung eines Fahrzeug(ungs)scheins im Jahr 2000 hätte Hildmann beinahe eine Anzeige wegen Urkundenfälschung eingebracht. Ein anderes Mal galt im Zelt nur die eigene „Okolüt“-Währung.

Und immer geht auf der Bühne die Post ab. Gerry Glitter trat auf, die Lords, Roland Kaiser, Frank Zander, Suzi Quatro, Hans die Geige. . . Den Star-Reigen eröffnet hatte Gunter Gabriel 1994. „Noch lange danach munkelte man über ein Double“, lacht Hildmann. „Den ins Dorf zu bekommen hatte uns wohl keiner zugetraut. „ In diesem Jahr können sich die Karnevalisten locker leisten, auch noch am Wochenende nach Aschermittwoch zu feiern. Das ist dem Terminkalender von Schlager-Ikone Matthias Reim geschuldet, der neben „Wirtschaftswunder“ und Ted Herold zur Oldie-Nacht auftritt. Oderland, Havelland, Potsdam

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