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Mittwoch, 8. Februar 2012

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Alte Kerle, fruchtbar noch

23. September 2004 Wir sind ein Volk von Arbeitsnomaden geworden. Unter der Woche verbringen viel Zeit im Transit, sind an Nicht-Orten wie der Autobahn unterwegs oder sitzen im Zug. Bei manchen von uns hat die geforderte Mobilität, über das Arrangieren mit ihr hinaus, so weit ins Bewusstsein gegriffen, dass die Rückbesinnung mitunter versperrt ist.

 Gemeinde Heidesee

Wollen es Autoren dennoch versuchen, lösen sie bei uns Lesern mitunter einen Gähn-Reflex aus, besonders, wenn sie die falschen Wörter benutzen. Eines davon nennt sich Heimat. Es ist die schlichte Antiheldin zum populär gewordenen „Standort“ und wird ebenso schlicht definiert, als „der Ort, wo Erinnerung sich auskennt“.

Unser Ort heißt Gussow. Gussow zu Beginn der fünfziger Jahre, im August. Auf dem Dorfplatz versammeln sich ein Dutzend Personen. Zumeist sind es Bauern. Gemeinsam mit dem Gemeindesekretär machen sie sich auf den Weg in Richtung Senzig. Ihr Ziel ist der Weg selbst, genauer: die in den dreißiger Jahren beidseitig gepflanzten Apfelbäume.

„Wer will diesen?“, fragt der Gemeindeobere. Die Antwort kommt als Handzeichen, woraufhin der Bedienstete den Ertrag des Baumes schätzt und vom Interessenten, der ihn nun ernten darf, ein paar Groschen je geschätztem Kilogramm kassiert. Während die Gruppe in Richtung Senzig weiterzieht, beginnt der Mann mit der Ernte. Und mehr noch als das, ist es für ihn eine Frage der Ehre, sich bis zum erneuten Rundgang im nächsten Jahr auch um die Pflege „seines“ Baumes zu kümmern.

Fährt man heute, ein halbes Jahrhundert später, den Feldweg vom Heidesee-Ortsteil Gussow ins benachbarte Senzig ab, sieht man nur noch wenige dieser Apfelbäume. Die meisten von ihnen, die den Düngern der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft zunächst getrotzt hatten, liegen eher, als dass sie stehen. Krumm sind sie fast alle. Nur einige, vielleicht sechs oder sieben der alten Kerle, stehen weiter kerzengerade ihren Baum: mit weißen Farbtupfern im Frühjahr, durchaus geschmackvoll im Sommer, farbenfroh im Herbst. Und übers ganze Jahr: als ein germanisches Symbol der Fruchtbarkeit sowie als Zeichen für Zuneigung, verbunden, stets, mit der Bitte um Gegenliebe. © HEIDESEE JOURNAL

Querverweis: Wissenswertes zu Äpfeln und Apfelbäumen Oderland, Havelland, Potsdam

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